,Mapping‘ als analytische Metapher & ästhetisches Verfahren

Auftaktworkshop des Geistes- und Kulturwissenschaftlichen Kolloquiums | Veranstalterinnen: Dr. Natalia Igl & Dr. Kathrin Rothemund

24.-25. Oktober 2014 | Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät der Universität Bayreuth

Programm des Workshops mit Abstracts

Der Initialworkshop des Bayreuther Geistes- und Kulturwissenschaftlichen Kolloquiums widmete sich dem Thema ‚Mapping‘ als analytische Metapher & ästhetisches Verfahren. Der Workshop setzte damit eine doppelte Ausgangsperspektive an: zum einen die einer Metareflexion auf die Grundlagen geistes- und kulturwissenschaftlicher Theoriebildung und Modellierung (vgl. etwa Picker 2007; Picker / Maleval / Gabaude 2013); zum anderen die der konkreten Beschreibung und Analyse ästhetischer Phänomene im Sinne sprachlicher, bildlicher und audio-visueller Strategien der (narrativen) Darstellung.

Ziel des Workshops war es dabei vor allem, das analytische Potential von Termini wie ‚Mapping‘ und ‚Kartographie‘ zu beleuchten und exemplarisch auszuloten. Diese Zielsetzung folgte wiederum aus dem aus unserer Sicht hohen Potential, das dem entsprechenden analytischen Begriffsfeld hinsichtlich einer Engführung verschiedener geistes- und kulturwissenschaftlicher Fachbereiche innewohnt: So bilden raum-zeitlich verortete und strukturierte Welten im Sinne narrativer Diegesen einen zentralen Gegenstand von Film-, Medien- und Literaturwissenschaft. Doch auch Disziplinen wie die Soziologie und (Kultur-)Geographie haben es wenngleich nicht mit im engeren Sinne als ‚fiktional‘ gedachten, so doch mit ‚Erzählwelten‘ und topographischen Konstruktionen zu tun. ‚Mapping‘ und ‚Kartographie‘ kommt, so der Konsens der Forschung, eine entscheidende Rolle in Bezug auf kulturelle Selbstbeschreibung und den Entwurf bzw. die Verstetigung von ‚Weltbildern‘ zu. Nicht zuletzt im Kontext der Globalisierung verlangen die ,imaginierten Welten‘ (vgl. Appadurai 1996: 33) in den Geistes- und Kulturwissenschaften ebenso wie in den Sozialwissenschaften eine diskursive Auseinandersetzung mit Erzähl-, Menschen- und Finanzströmen.

Die Nähe zur Narration war während des Workshops ein wichtiger Punkt, den Harper / Rayner (2010: 15) zurecht hervorheben: „All maps involve stories, in which there is both a narrative and a discourse.“ Im Bereich der (transmedialen) Narration lässt sich das breite Funktionsspektrum entsprechender ästhetischer Verfahren beobachten. Mit Blick auf die Angabe von Straßennamen in literarischen Texten vermerken Hölter / Pantenburg / Stemmler (2009: 9) pointiert: „Nennung ist topographische Realitätsstiftung“. Dies gilt nicht nur für sprachbasiertes Erzählen, sondern analog auch für audio-visuelle Narrationen, in denen kartographische Elemente gleichermaßen als Authentifizierungs­strategie der Diegese dienen können. Für die Erzeugung und Ausfaltung einer Diegese – gleich in welchem Medium – haben Mapping und Kartographie als Techniken der raum-zeitlichen Verortung sowie der Engführung von erzählter und ‚realer‘ Welt eine hohe Relevanz. Doch nicht nur hinsichtlich des ‚world-building‘ (vgl. Wolf 2012), sondern auch hinsichtlich komplexer (meta-)narrativer Strategien sind Mapping-Techniken bei der Analyse von Erzählwelten zu berücksichtigen. So kann durch die sprachliche oder visuelle Integration topo- und kartographischer Elemente auch gerade die Gemachtheit, Künstlichkeit und Fiktionalität einer Diegese hervorgehoben werden – etwa wenn in David Mazzucchellis und Paul Karasiks Graphic Novel zu Paul Austers Roman City of Glass (1985 bzw. 1994) der Protagonist über eine Stadtplandarstellung von New York City zu laufen scheint.

Literatur:

Appadurai, Arjun (1996): Modernity at Large. Cultural Dimensions of Globalization. Minneapolis: London.

Harper, Graeme / Rayner, Jonathan (2010): Introduction – Cinema and Landscape. In: Dies. (Hg.): Cinema and Landscape. Bristol, Chicago: Intellect, S. 13-28.

Pantenburg, Volker / Hölter, Achim / Stemmler, Susanne (2009): Metropolen im Massstab. [Einleitung] In: Dies. (Hg.): Metropolen im Maßstab. Der Stadtplan als Matrix des Erzählens in Literatur, Film und Kunst, Bielefeld: transcript, S. 9-14.

Picker, Marion (2007): Zum ‚Mapping’ als kulturwissenschaftlicher Methode. (Kongreß der Internationalen Vereinigung der Germanisten in Paris, 26. August-3. September 2005) In: Valentin, Jean-Marie (Hg.): kten des XI. Internationalen Germanistenkongresses Paris 2005: Germanistik im Konflikt der Kulturen. (Jahrbuch für Germanistik, Bd. 81) Bern: Peter Lang, S. 47-51.

Picker, Marion / Maleval, Véronique / Gabaude, Florent (Hg.) (2013): Die Zukunft der Kartographie. Neue und nicht so neue epistemologische Krisen. Bielefeld: transcript.

Wolf, Mark J. P. (2012): Building Imaginary Worlds: The Theory and History of Subcreation. New York: Routledge.

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