Im Laboratorium – Entwurf und Experiment als ästhetische Zugriffsweise auf ,Welt‘

Tagung des Geistes- und Kulturwissenschaftlichen Kolloquiums | Veranstalterinnen: Dr. Natalia Igl & Dr. Kathrin Rothemund

19.-21. November 2015 | Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät der Universität Bayreuth

Programm der Tagung mit Abstracts

Die Tagung Im Laboratorium – Entwurf & Experiment als ästhetische Zugriffsweise auf ,Welt‘, die im Rahmen des Geistes- und Kulturwissenschaftlichen Kolloquiums der Universität Bayreuth vom 19.-21. November 2015 abgehalten wird, widmet sich der ‚Kunst des Versuchs‘ in Literatur, Theater, (Bewegt-)Bildern, Tönen und anderen ästhetischen Ausdrucksformen ebenso wie Fragen nach experimentellen Anordnungen geistes- und kulturwissenschaftlicher Forschung.

Nicht nur in den Naturwissenschaften kommt Begriffen wie „Labor“, „Experiment“ und „Entwurf“ eine zentrale Rolle bei der Gewinnung neuen Wissens zu. Ebenfalls in den Geistes- und Kulturwissenschaften haben diese Begriffe (jüngst etwa im Kontext der Digital Humanities) Konjunktur (vgl. Berg 2009) – wenn auch häufig als fast schon inflationäre Metaphern (vgl. Bies/Gamper 2011, 19; Berg 2013, 143).

Dennoch liegt in der Diskussion von „Laboratorien“, „Experimenten“ und „Entwürfen“ ein wesentlicher Erkenntnisgewinn insbesondere auch für eine ästhetisch ausgerichtete Forschung, da mit ihnen epistemische Objekte fokussiert und Konzepte und Methoden reflektiert werden. Die Suchbewegung der ForscherInnen im Entwerfen und Experimentieren wird dabei zu einem Instrument der Wissensproduktion, das durch ihren performativen Ablauf, ihre technische Regelhaftigkeit und ihr standardisiertes Vorgehen ebenso charakterisiert ist wie zugleich durch ihre Kontingenz. Dadurch lassen sich nicht nur komplexe und unscharfe Artefakte in den Blick nehmen, sondern auch die damit einhergehenden Forschungsmethoden diskutieren. Gerade in den Geistes- und Kulturwissenschaften steht dieser Prozess jedoch (vermeintlich) immer wieder in Spannung zu den standardisierten Konzepten von Genauigkeit und Reproduzierbarkeit naturwissenschaftlicher Disziplinen. Dabei sind WissenschaftlerInnen jeder Disziplin damit konfrontiert, Wissen auf explorative Weise zu generieren und das ,Mögliche im Unbekannten‘ wahrnehmbar und beschreibbar zu machen. Gerade geistes- und kulturwissenschaftliche ForscherInnen bedienen sich dafür bewusst Konzepten von Ästhetik, Fiktion, Narrativik und Rhetorik (vgl. Gamper 2009, 13).

Literatur:

Berg, Gunhild (2013): Experiment/ieren. In: Ute Frietsch / Jörg Rogge (Hg.): Über die Praxis des kulturwissenschaftlichen Arbeitens. Ein Handwörterbuch. Bielefeld: transcript, 138-144.

Berg, Gunhild (2009): Zur Konjunktur des Begriffs Experiment in den Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften. In: Michael Eggers / Matthias Rothe (Hg.): Wissenschaftsgeschichte als Begriffsgeschichte. Terminologische Umbrüche im Entstehungsprozess der modernen Wissenschaften. Bielefeld: transcript, 51-82.

Bies, Michael / Gamper, Michael (2011): Arbeit am Sprachmaterial – eine Einleitung. In: Michael Bies / Michael Gamper (Hg.): »Es ist ein Laboratorium, ein Laboratorium für Worte« Experimente und Literatur III. 1890-2010. Göttingen: Wallstein Verlag, 9-30.

Gamper, Michael (2009): Zur Literaturgeschichte des Experiments. In: Michael Gamper / Martina Wernli / Jörg Zimmer (Hg.): »Es ist nun einmal zum Versuch gekommen« Experimente und Literatur I. 1580-1790. Göttingen: Wallstein Verlag, 9-32.

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